RIGA MAINZ mit LR 1600/2 und Scheuerle SPMTs
In Heidenheim wird die Eisenbahnbrücke über die Brenz durch eine neue ersetzt. Bauherr des Projektes ist die DB InfraGO Karlsruhe, GU ist Wolff & Müller. Die Schwerlastarbeiten übernimmt RIGA MAINZ. Konkret kommt deren Liebherr LR-1600/2 zum Einsatz.
Eine Besonderheit — zumindest für mich — ist der Ballastwagen; so einen hatte ich noch nie vor der Linse. Man kann sich das vorstellen als Schwebeballast mir Rädern. Das ist nützlich aus folgendem Grund. Ein Gittermastkran funktioniert nach dem Prinzip einer Waage: am Hauptausleger hängt die Last, am Gegenausleger der Ballast. Last- und Ballastmoment müssen (ungefähr, Stickwort Raupenfahrwerk) im Gleichgewicht sein. Wenn mehr gehoben werden soll, muss auch mehr Ballast geladen oder dieser weiter ausgeschoben werden. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass der Kran seinen eigenen Ballast nur heben kann, wenn eine Last am Haken hängt — sonst würde er nach vorne kippen. Das führt in der Regel dazu, dass die Ballastpalette so positioniert werden muss, dass sie beim Hub der Last mit gehoben werden kann. Nun kann der Kran im Rahmen des Hubs samt Ballastpalette drehen oder verfahren. Wenn die Last abgesetzt wird, dann muss auch der Ballast abgesetzt werden. Und dann steht der da, denn ohne Last kann der Kran den Ballast nicht heben. Das ist ungeschickt wenn, wie beispielweise hier, mehrere ähnliche Hübe durchgeführt werden müssen. Denn die Ballastpalette muss dann jedes Mal (per Hilfskran) abgestapelt und passend für den nächsten Hub positioniert und aufgestapelt werden.
Enter the Ballastwagen. Der kann wie eine reguläre Schwebeballastpalette angehoben werden. Wenn die Last abgesetzt wird, so wird der Ballastwagen einfach auf seine Räder abgestellt (Ballastmoment null!) und vom Kran mit zum nächsten Hub gezogen. Die Räder sind schwenkbar. Wenn sie gerade gestellt sind, parallel zu den Raupen, kann der Kran samt Ballastwagen verfahre. Alternativ können sie auch so verdreht werden, dass sie die Rotation des Oberwagens mitmachen. Um die Räder zu rotieren, besitzt der Ballastwagen Stützen um die Räder zu entlasten. Übrigens sind die Räder selbst auch angetrieben, streng genommen wird der Ballastwagen also nicht "gezogen". Das ist inbesondere bei der Rotation relevant, das Drehwerk des Krans bringt nicht genug Drehmoment auf um den schweren Wagen mitzudrehen.
Auf der Webseite von Liebherr gibt es eine kurze Abhandlung über die Historie des Ballastwagens sowie dessen Zukunft: die Verwendung von SPMTs als "Wagen" unter der Ballastpalette. Für den LR-12500 ist das inzwischen verfügbar.
Aufbau des Krans
Das erste Mal war ich kurz dort, als der Kran aufgebaut wurde.
Abriss der alten Brücke
Die existierende Brücke musste zunächst abgerissen werden. Zur Vorbereitung wurden die Schienen und der Schotter entfernt. Die Brücke für das westliche Gleis wurde in einen Nord- und Südteil getrennt, separat ausgehoben und dann direkt durch Bagger mit Stahlscheren zerkleinert und per LKW abtransportiert. Der östliche Teil wurde am Stück ausgehoben und dann bis auf weiteres am südlich des Krans über die Brenz gelegt — als improvisierte Baustellenbrücke. Der Kran war für die Hübe mit 140 Tonnen Oberwagenballast konfiguriert.
Einhub der Widerlager
Die Betonfundamente (aka Widerlager) wurden am Südende der Baustelle betoniert, per Kran eingehoben und dann verankert. Jedes der beiden Widerlager wurde in zwei Hälften gefertigt und gehoben. Das schwerste hatte 228 Tonnen. Für den Hub war der Kran mit 120 t Ballast auf dem Oberwagen ausgestattet. Auf dem Ballastwagen lagen 290 t; zusammen mit den 60 t für den Wagen selbst kam der Kran auf 350 Tonnen Schwebeballast.
Einhub der neuen Brücke
Stay tuned.
Bagger + Co
Die Bagger für Erdarbeiten und zum Zertrennen der alten Brücke wurden von JMS Abbruch und CK Abbruch gestellt. Der Zweiwegebagger für den Gleisbau kam von LST.
Es gibt übrigens auch einen Livestream von Live-DokuTV.



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