Leonhard Weiss' Umbauzug
Eisenbahngleise bestehen im groben drei wesentlichen Teilen: die Schienen (die "Strahlstränge" auf denen die Räder rollen), die Schwellen (die aus Holz oder Beton bestehende Tragelemente die quer zu den Schienen liegen und diese tragen), sowie das Schotterbett. Alle drei nützen sich im Laufe des Betriebs über die Jahre ab:
Jedes Mal, wenn ein Zug über das Gleis fährt, überträgt er enorme Kräfte auf die Konstruktion: Die Räder drücken die Schienen nach unten, die Schwellen geben diese Last in den Schotter weiter, und der Schotter verteilt sie auf den Untergrund. Über Millionen von Lastwechseln ermüdet der Schienenstahl. Es entstehen zunächst unsichtbare Risse im Schienenkopf, die Oberfläche riffelt sich wellig auf, und in Kurven schleift der Spurkranz die Schiene seitlich ab. Gleichzeitig werden die Schottersteine durch die ständigen Vibrationen langsam zermahlen, die entstehenden Feinpartikel verstopfen die Hohlräume zwischen den Steinen, und der Schotter verliert seine Drainagefähigkeit. Die sich sammelnde Staunässe weicht den Untergrund auf. Die Schwellen leiden darunter doppelt: Sie werden von oben durch die Fahrzeuglasten auf Druck und Biegung beansprucht, und von unten durch Feuchtigkeit. Holzschwellen verrotten, Betonschwellen bekommen Mikrorisse. Ist das Zusammenspiel der drei Komponenten erst gestört, beginnt das Gleis aus seiner exakten Lage zu wandern.
Kein der drei Komponenten lässt sich sinnvoll dauerhaft reparieren, ohne die anderen mitzubehandeln: die Gleise müssen erneuert werden. Und das sollte natürlich möglichst effizient passieren um die Kosten niedrig und die Sperrpausen kurz zu halten. Deswegen gibt es Umbauzüge, die von Firmen wie Plasser-Theurer und Matisa hergestellt werden. Wie diese Machinen im Detail funktionieren habe ich 2014 im Rahmen einer Podcast-Episode mit Plasser-Theurer erfahren.
Kurz gesagt: Die Maschinen fahren auf dem alten Gleis und heben die beiden Schienen nach oben und außen; die alten Schwellen werden maschinell herausgegriffen und auf mitgeführte Wagen gefördert. Direkt danach wird das Schotter herausgesaugt, mit einer mitgeführten Waschanlage gereinigt und direkt wieder ausgebracht. Danach werden neue Schwellen gelegt und die Schienen wieder eingefädelt bzw. durch neue, vorher neben das Gleis gelegte ersetzt. Alles in einem kontinuierlichen Arbeitsgang. Die einzig zusätzliche, halbmanuelle Arbeit ist die Entfernung/Anbringung der Verschraubung der Schienen mit den Schwelle.
Im März 2022 habe ich die Kollegen der Gleisbau-Abteilung von Leonhard Weiss eine Nacht begleitet. Unten sind Bilder. Und auch dazu gibt es eine Podcast-Episode.





