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An-124 in Stuttgart

Verladung eines 80-Tonnen-Rotors



Mitte Juli war die An-124 UR-82008 der Antonov Airlines am Flughafen Stuttgart um einen Rotor zu laden und nach Malaysia zu fliegen. Ich hatte Zutritt zum Vorfeld, und habe ausgiebig fotografiert.

Der Rotor ist der rotierende Teil eines Generators — das Gegenstück zum feststehenden Stator. Bei Generatoren wie sie in Kraftwerken zum Einsatz kommen, erreichen solche Rotoren gewaltige Ausmaße: Im vorliegenden Fall wiegt das Bauteil rund 80 Tonnen und ist etwa 20 Meter lang. Die große Masse ist dabei durchaus gewünscht, denn die große rotierende Masse erhöht die Trägheit des Turbosatzes und trägt damit zur Stabilisierung der Netzfrequenz bei.

Im Rahmen einer planmäßigen Revision eines Kraftwerks in Malaysia wurde ein Rotor zur Überholung ausgebaut. Die Firma KPG Rotating Solutions in Albbruck ist auf solche Arbeiten spezialisiert. Der Rotor musste also von Malaysia in den Südschwarzwald transportiert werden. Um die Ausfallzeiten des Kraftwerks möglichst gering zu halten, entschied man sich für den Transport per Flugzeug. Das ist zwar teuer, lohnt sich aber angesichts des sonst entstehenden Umsatzausfalls. Mit seinem Rigging bringt der Rotor insgesamt 130 Tonnen auf die Waage; solch eine massive "Transportverpackung" ist nötig, damit sich der Rotor nicht durchbiegt oder anderweitig beschädigt wird.

Für den Transport kam eine Antonov An-124 zum Einsatz, das seit der Zerstörung der einzigen An-225 durch die russischen Streitkräfte größte Transportflugzeug der Welt. Nach einem zweistündigen Flug aus Rzeszów landete die UR-82008 der Antonov Airlines am 19. Juli gegen 18:00 Uhr in Stuttgart und rollte zum Frachtbereich im Süden. Nach der Landung wurde die hochklappbare Nase geöffnet und der Bug des Flugzeugs abgesenkt. Eine flache Rampe mit Schienen und Schlitten wurde von der Crew installiert.

Den Transport verantwortete APP Global Logistics; Für den Teil in Deutschland war die Spedition Hermann Paule beauftragt. Sie übernahmen den Transport von Albbruck nach Stuttgart. Zum Einsatz kam ein 13-achsiger Tieflader, gezogen von einer vierachsigen Volvo FH16 750 Zugmaschine. Gegen 20:00 fuhr Paule zwei Grove GMK5150 aufs Vorfeld; den eigenen, plus den von Schaak. Um 23:30 waren beide aufgebaut und ballastiert. Die Nachtarbeit war nötig, weil Krane dieser Höhe nur außerhalb der Betriebszeiten auf dem Vorfeld aufgebaut werden dürfen.

Die eigentliche Verladung verlief folgendermaßen. Der Rotor wird zunächst per Tandemhub vom Tieflader auf den Schlitten beziehungsweise die leicht geneigte Rampe gehoben und dort provisorisch verzurrt. Anschließend werden die bordeigenen Winden der Antonov an der Last befestigt und angespannt. Nun können die Krane die Last reduzieren, die entstehende Hangabtriebskraft wird von den Winden kompensiert. Nachdem die Krane abgekoppelt wurden, ziehen die Winden den Schlitten mit dem Rotor ins Flugzeug. Dort wird er mit zig Ketten und Spanngliedern festgemacht. Parallel baut die Crew die Rampe ab. Gegen 02:00 war die Nase wieder zu und das Fahrwerk wieder auf seine normale Höhe angehoben.

Der Abflug, nach Kairo zum Tanken, war für 20:00 am Montag geplant. Leider (für mich und die anderen Spotter am Zaun) hat sich das dann aber auf Dienstag 18:00 verzögert. Inzwischen ist der Rotor wieder heile in Malaysia angekommen und die Antonov schon unterwegs zu ihrem nächsten Einsatz.

Noch ein paar Details zur Antonov und der Crew. Das Flugzeug wird von einer recht großen Cockpitbesatzung geflogen. In der Regel sind sechs Leute im Cockpit: der Kapitän, der FO, ein Navigator, ein Funker sowie zwei Flugingenieure, die sich dediziert um die Überwachung der Systeme und ums Kraftstoffmanagement kümmern. Zusätzlich befinden sich bei Frachtflügen meist ein oder zwei Loadmaster an Bord. Sie sind für die Planung, Sicherung sowie das Be- und Entladen der Fracht verantwortlich. Dazu kommt Bodenpersonal das bei der Be- und Entladung unterstützt und bspw. die Rampe montiert. In den beiden Oberdecks (hinter dem Cockpit sowie am Heck) gibt's Ruheräume mit Schlafmöglichkeiten, eine kleine Bordküche, sanitäre Einrichtungen sowie zusätzliche Sitzplätze für Ersatzbesatzungen oder begleitendes Technik- und Ladepersonal. Dadurch kann die Besatzung auch mehrtägige Einsätze durchführen. Tatsächlich waren in Stuttgart zwei komplette Crews an Bord, gerüchteweise um die 30 Leute insgesamt. All das erinnert mich das eher an den Betrieb eines Hochseeschiffs als an den eines Frachtflugzeugs :-)

Bilder von der Verladung folgen nach Freigabe.

Herzlichen Dank an KPG, Paule sowie den Flughafen Stuttgart für die Möglichkeit, hier zu fotografieren. Und an die Sicherheitsleute für die Flexibilität mich und Herrn Maier früher als eigentlich geplant reinzulassen. All die Bilder in der Abendstimmung waren nur deshalb möglich! Und natürlich an die Crew der Antonov, dass wir in den Flieger durften. Tolle Aktion!

 
 


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